Warum das Debattenmagazin?

Die Welt ist in Bewegung. Eine Vielzahl von gesellschaftlichen Herausforderungen müssen beantwortet werden. Es müssen heute Entscheidungen getroffen werden, die erst in der Zukunft konkrete Auswirkungen haben werden. Vielleicht ist dieser Zustand nicht neu. Dennoch gewinnen diese Herausforderungen an Brisanz, weil in Echtzeit eine unüberblickbare Menge an Informationen digital erzeugt wird. Wir haben unvorstellbar viele Informationen, aber dennoch begrenztes Wissen und Orientierung. Das trifft vor allem auf die partiell politisch informierte Öffentlichkeit zu. Wahrnehmungen werden mit Wahrheiten verwechselt, Fakten mit Meinungen. Das vergiftet derzeit das politische Klima und minimiert unsere Lösungskompetenz. Die aktuelle Ausgabe der Zeit spricht von einer „Post-Truth-Politik“, die auf einfache Antworten und Emotionen setzt und Realitäten einfach negiert.

In der Zukunft wird es jedoch auf einen wesentlichen menschlichen Faktor ankommen: Kommunikation. Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Erfolg wird zukünftig davon abhängig sein, ob wir in der Lage sind, zu diskutieren, zuzuhören und auszutauschen, um schließlich nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. In einer komplexeren Welt ist es schwierig den Überblick zu behalten, aber die partiellen Experten müssen in der Lage sein, miteinander zu reden und sich zielorientiert zu verständigen. Wir brauchen die Fähigkeit zum sachlichen Austausch und zur Moderation, um die Fragen der Zeit zu beantworten.

Dass gerade diese Schlüsselkompetenzen der Zukunft derzeit besonders leiden, ist dramatisch. Wir brauchen jetzt Räume, um diesen Diskurs wieder zu lernen und zu leben. Wir müssen lernen, Kritik in der Sache auszuhalten ohne es als einen persönlichen Angriff zu verstehen. Professionelle Kommunikation braucht eine Streitkultur, die die Person zurücknimmt und das Argument in den Vordergrund rückt. Das ist auch deshalb wichtig, weil Hierarchien und Rollen in Gesellschaft, in Unternehmen und in der Politik ständig wechseln werden. Es wird künftig – und teilweise bereits heute – keine klaren Linien des Aufstieges mehr geben. Vielmehr wird je nach Thema der Experte zum „Chef“. Das wird Hierarchien nicht auflösen, aber flexibler machen und ein anderes Statusdenken verlangen. Der künftige Status wird wechseln und ist nicht das Ziel einer beruflichen Karriere.

Die Zukunft ist offen und viele Menschen spüren die zunehmenden Veränderungen in ihrem Umfeld. Gesucht wird dann nach Sicherheit und Orientierung. Die Sehnsucht nach der vermeintlich „guten alten Zeit“ hilft jedoch nicht wirklich weiter. Die Welt war niemals nur gut und sie wird sich weiterdrehen. Die Verweigerer werden zwangsläufig zu den Verlierern gehören.

In Sachsen-Anhalt stehen wir vor Herausforderungen, die auch nicht in einer Wahlperiode zu bewältigen sind. Allerdings braucht es eine lebendige Debatte über die Zukunft. Es braucht den Austausch jenseits der Überschriften. Wo wird das Land in 30 Jahren stehen? Wo wollen wir hin? Wo können und wo müssen wir bereits heute die richtigen Prioritäten und Entscheidungen setzen? Wie gehen wir mir mit drängendsten Fragen um: dem demographischen Wandel, dem Fachkräftemangel, der Transformation in der Arbeitswelt hin zur Digitalisierung, den veränderten Mobilitätswünschen, dem Klimawandel, der Energiewende, der Integration von Zugewanderten … . Themen, die uns bewegen, gibt es also genug.

Es gibt keine leichten Antworten und es deshalb brauchen wir hierfür eine breite gesellschaftliche Debatte. In einer solchen Debatte werden politische Unterschiede deutlich werden. Wer steht wofür? Wer setzt welche Prioritäten und wer hat sich mangels Substanz schon aus der Zukunft heraus katapultiert?

Dieses Projekt soll die demokratische Debatte jenseits der Tagespolitik beleben. An dieser Debatte soll sich jeder beteiligen können. Wir wollen damit zu politischen Meinungsbildung in diesem Land beitragen. Und wir freuen uns über jeden, der diesen Wunsch gemeinsam mit uns umsetzen will.

Viel Spaß beim Lesen und Schreiben.

Autor

Oliver LindnerOliver Lindner / www.olindner.de
geb. 1974, Vorsitzender der Politikwerkstatt Sachsen-Anhalt e.V.
Sozialdemokrat, wohnt im Jerichower Land.

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